Kleine Landeskunde

(Stand: 04.04.2008)


Diese Einführung zu Land & Leuten Bhutans erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen habe ich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Anregungen und Kritik nehme ich gerne entgegen.


Übersicht:
Geografie | Natur | Geschichte | Bevölkerung | Politik | Wirtschaft | Tourismus | Literatur


Zum Landesnamen

"Bhutan" ist der moderne und offiziell gebräuchliche Name des Landes. Er stammt vermutlich aus dem Sanskrit, wo "Bhu-Uttan" ein hochgelegenes Territorium bezeichnet. Einer anderen Theorie zufolge liegt hingegen das indische Wort "Bhotanta" zugrunde, welches so viel bedeutet wie "Ende des Landes der Bhot (Tibet)". Die Bhutaner selbst nennen Ihr Land auch "Druk Yul", das Land des Donnerdrachens.

 

National-...

...Flagge: Sie wurde 1947 von Mayum Choying Wangmo Dorji entworfen und erhielt 1956 ihre heutige Gestalt. Die bhutanische Flagge ist diagonal unterteilt und zeigt in der Mitte einen weißen Drachen. Der obere Teil der Flagge ist goldgelb und repräsentiert die säkulare Macht des Königs. Der untere Teil ist orangefarben und symbolisiert die buddhistische Religion. Der Drachen, dessen weiße Farbe mit Reinheit assoziiert wird - auch die Stulpen der Nationalkleidung des Mannes sind weiß - repräsentiert Bhutan selbst. Die in seinen Klauen gehaltenen Juwelen kennzeichnen den Reichtum und die Vollkommenheit des Landes.
Bhutans Nationalflagge zum Download (91 KB)

...Hymne: Sie wurde 1953 komponiert und 1966 offiziell eingeführt. Die Text der ersten Strophe lautet in etwa: "Im Königreich des Donnerdrachens, dem südlichen Land des Sandelbaumes, lebe der König lange, der die Geschicke des Staates und auch der Religion lenkt".
Bhutans Nationalhymne zum Download (midi-Datei, 3 MB)

...Symbol: Das Nationalsymbol ist kreisförmig und besteht hauptsächlich aus einem diamantenen Doppelkeil. Er wird von zwei Drachen umrahmt und befindet sich über einer Lotusblume bzw. unterhalb eines Juwelen-Symbols. Der Donnerkeil symbolisiert die Harmonie zwischen weltlicher und religiöser Macht als Merkmal des Buddhismus in seiner Vajrajana ("Diamantenes Fahrzeug")-Form. Die Lotusblume symbolisiert Reinheit, der Juwel drückt die Macht des Herrschers aus, und die beiden Drachen - je ein männlicher und ein weiblicher - stehen für den Namen Bhutans, den sie mit donnernder Stimme verkünden.
Bhutans Nationalemblem zum Download (38 KB)

...Feiertag: Der 17. Dezember ist der Nationalfeiertag des Landes. Man erinnert sich dabei an die Thronbesteigung des ersten Königs von Bhutan, Ugyen Wangchuck, am 17.12.1907.
siehe auch Abschnitt Geschichte

...Blume: Die Nationalblume ist der Blaue Mohn/Scheinmohn (Meconopsis grandis). Er wächst auf 3.300-4.500 m Höhe und blüht von Mai bis Juli.

...Baum: Neben der Nationalblume gibt es noch einen Nationalbaum, nämlich die Bhutanische Zypresse (Cupressus torulosa). Man findet sie häufig an Plätzen mit besonderer religiöser Bedeutung. Manche Bhutaner identifizieren sich mit ihr, da sie groß und stabil werden kann und auch auf kargen Standorten wächst.
Charakterisierung des Baumes (Gymnosperm Database, englisch)

...Tier: Der seltene, zur Unterfamilie der Schafe und Ziegen (Caprinae) gehörende Takin (Budorcas taxicolor) ist das bhutanische Nationaltier. Er lebt oberhalb von 4.000 m in Herden und ernährt sich hauptsächlich von Bambus. Sein Körpergewicht kann bis zu 250 Kilogramm betragen.
Takin bei Wikipedia

...Vogel: Der Nationalvogel ist der Tibetanische Kolkrabe (Corvus corax thibetanus). Er ziert auch die königliche Kopfbedeckung, und stellt im Grunde die Gottheit Gonpo Jarodonchen dar, eine der wichtigsten Schutzgottheiten Bhutans.

...Kleidung: Die herrschende Ethnie der ngalongs besitzt eine eigene Nationalkleidung, deren Ursprünge auf das 17. Jahrhundert zurück gehen und deren Tragen in ganz Bhutan mit wenigen Ausnahmen für alle Einheimischen Pflicht ist. Jene für Männer wird gho, jene für Frauen kira genannt.
Einführung in die bhutanische Kleidung (RAOnline, englisch)

...Sport: Seit grauer Vorzeit ist das Bogenschiessen (dha) der absolute Nationalsport in Bhutan. Es erfolgt über eine schier unglaubliche Distanz von 140 m (olymischer Standard ist 50 m). Bei den farbenfrohen und aufregenden Veranstaltungen treten 2 Teams gegeneinander an. Während in der Regel nur die Männer schießen, ist es Hauptaufgabe der Frauen, die Mitglieder des gegnerischen Teams abzulenken.
Erläuterungen zum bhutanischen Bogensport (RAOnline, englisch)

...Währung: Landeswährung ist der Ngultrum (1 Nu = 100 Chetrum = 1 indische Rupie). Die jeweils aktuellen Umrechnungskurse finden sich auf der Homepage der Zeitschrift Kuensel. Auch die indische Rupie gilt als offizielles Zahlungsmittel.
Bilder: 1 Nu (vorder|rück), 5 Nu (vorder/rück), 10 Nu (vorder|rück), 20 Nu (vorder|rück), 50 Nu (vorder|rück), 100 Nu (vorder|rück), 500 Nu (vorder|rück).


 



Geografie

Bhutan befindet sich an der Südabdachung des östlichen Himalaja. Als kleines Land - mit insgesamt 46.500 Quadratkilometern Fläche hat es in etwa die Größe von Niedersachsen - ist es gewissermaßen zwischen den großen Nachbarn Indien und China "eingeklemmt". Es misst 150 km von Nord nach Süd und 300 km von West nach Ost. Die gemeinsame Grenze mit Indien ist 605 Kilometer lang, die mit China 470 Kilometer. Die exakten geografischen Koordinaten Bhutans sind: 26°47’N-28°26’N und 88°52’E-92°03’E.

Die Hauptstadt Bhutans ist Thimphu, der internationale Flughafen liegt westlich davon in Paro. Das Land ist seit 1952 in 20 Verwaltungsbezirke (districts, "dzongkhags") unterteilt: Bumthang, Chhukha, Chirang (Tsirang), Daga(na), Gasa, Ha(a), Lhuentse, Mongar, Paro, Pemagats(h)el, Punakha, Samchi (Samtse), Samdrup-Jongkhar, Sarpang, Shemgang (Zhemgang), T(r)ashigang, T(r)ashi-Yangtse, Thimphu, T(r)ongsa und Wangdi-Phodrang.

                  

Das Land besitzt ein extrem ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. Während die Nordgrenze des Landes mit dem Himalaya-Hauptkamm und Höhen bis 7.550 m ü. NN zusammenfällt, liegen nur wenige hundert Kilometer weiter südlich tropische Regionen auf lediglich 100 m ü. NN. Die den Himalaya in Nord-Süd-Richtung entwässernden Ströme haben tiefe Täler in das Profil des Landes geschnitten.

Während vor allem die nördlichen und südlichen Landesteile extrem steil sind, gibt es in Zentralbhutan Bereiche, die flacher ausgeprägt und oft beckenartig erweitert sind. Hier - auf Höhen zwischen 2.500 und 4.000 m ü. NN lebt ein Grossteil der bhutanischen Bevölkerung, und es ist dieser Landesteil, der in Tourismuskreisen als kulturelles Herzstück Bhutans angepriesen wird.

Das Klima Bhutans ist durch den Monsun geprägt, der mindestens von Juni-September dauert. Die klimatischen Bedingungen in den einzelnen Landesteilen sind - je nach Höhenlage - sehr unterschiedlich. Im Süden herrscht subtropisches bzw. tropisches Klima vor, die Täler Zentralbhutans verfügen über ein gemäßigtes Klima mit kühlen Wintern und heißen Sommern. In den Bergen sind die Winter extrem streng und die Sommer eher kühl. Insbesondere in den südlichen Landesteilen kommt es bei Jahresniederschlägen bis zu 5.000 mm während der Regenzeit des öfteren zu verheerenden Erdrutschen.

Auch die Ausbildung der unterschiedlichen Bodentypen in Bhutan ist primär von der Höhenstufe abhängig: das Spektrum reicht von tiefgründig verwitterten, tropischen Böden im Süden des Landes, über Braunerden unter Mischwäldern sowie Podzol- und Gleyböden unter Nadelwäldern, bis hin zu kaum entwickelten Rohböden unter alpiner Rasenvegetation ab ca. 4.000 m ü. NN.

Aufgrund der extremen Topografie sind nur ca. 10% der Landesfläche für den Ackerbau nutzbar; 3,9% werden als Weideland genutzt. Lediglich 387 Quadratkilometer (1% der Gesamtfläche) werden künstlich bewässert.

Links zur Vertiefung:

Bhutan bei Wikipedia

Geologische Expedition in das Königreich Bhutan - Djordje Grujic, Universität Freiburg
Landslides in Bhutan (Department of Geology and Mines, englisch) (pdf, 0.3 MB)
Erdrutsche in Ostbhutan (Lumang-Bezirk) (Kuensel-Artikel, englisch) (pdf, 0.1 MB)

Glacial Hazards in Bhutan (englisch; Autor: Dorji Wangda, Department of Geology and Mines, Ministry of Agriculture, Royal Government of Bhutan) (pdf, 2.3 MB)

Seismic Hazards Assessment in Bhutan (englisch; Autor: Tobgay) (pdf, 0.8 MB)


 


Die bhutanische Natur und ihr Schutz

Da die bhutanische Landschaft - bildhaft gesprochen - wie eine große Treppe aufgebaut ist, finden wir zwischen der Hauptkette des Himalaya-Gebirges im Norden und der indischen Flutebene im Süden eine unglaubliche Vielzahl verschiedener Klimata und damit auch Lebensraumtypen. Folgerichtig rangiert Bhutan unter den Top 10 der globalen Hotspots in Sachen Biodiversität und hat laut einem UNEP-Bericht von 2001 die höchste flächenbezogene Artendichte weltweit.


Die bhutanische Flora

Durch das wahrhaft enzyklopädische Werk von Grierson & Long (1983) ist die bhutanische Flora bereits recht gut erfasst. Sie enthält u.a. die zahlreichen Orchideen-Arten, wegen denen alleine so mancher Naturliebhaber nach Bhutan reist.

Nach aktueller Kenntnis befinden sich in Bhutan 60% aller im Osthimalaya endemischen Pflanzenarten. Alleine von den 5.500 registrierten Gefäßpflanzen gelten 750 als endemisch in der Region und mehr als 50 davon als endemisch in Bhutan.

Von besonderer kultureller und naturschutzfachlicher Bedeutung sind die Wälder Bhutans. Glaubt man offiziellen Darstellungen, so ist das Land bis zu mehr als 70% bewaldet (RGoB 2003); in unabhängigeren Quellen finden sich aber auch Schätzungen unterhalb der 60%-Marke (FAO 1991).

Die zwischen 200-1.000 m ü. NN gelegenen Regionen Südbhutans sind mit artenreichen, dichten subtropischen Wäldern bestanden. Die Hauptholzarten sind Gmelina arborea und Shorea robusta. Oberhalb und bis ca. 2.000 m finden sich Laubwälder mit Schima wallichii, Castonopsis indica, Betula alnoides, Alnus nepalensis, Engelhardia spicata, Macaranga pustulata und einer Vielzahl von Lithocarpus-Arten. In trockeneren Region, wie z.B. in Südostbhutan, dominiert dagegen die Chir pine (Pinus roxburghii) und die Strauchschicht ist nur schwach entwickelt.

In den unteren Bereichen der gemäßigten Breiten (2.000-2.700 m), die von den meisten Menschen bewohnt und auch den meisten Touristen besucht werden, existieren immergrüne Eichenwälder mit Quercus semecarpifolia, Q. lanata und Q. lamellosa. Oft enthalten sie Arten der Gattungen Acer, Castanopsis und Juglans. Auf feuchteren Hängen mit einem Jahresniederschlag von mehr als 2.500 mm dominieren kühl-feuchte Laubwälder mit Acer campbellii und Betula alnoides.

Der obere Bereich der gemäßigten Klimazone (2.700-3.500 m), der in etwa den zentralen Beckenbereichen entspricht, ist durch Nadelwälder gekennzeichnet. Die vorherrschende Baumart auf trockeneren Standorten bis ca. 3.100 m ist die Blue pine (Pinus wallichiana) als Hochlagen-Äquivalent zur Chir pine. Typisch für Blue pine-Wälder sind auch Pinus bhutanica und diverse Eichenarten. Mit zunehmender Höhe finden sich Fichten und Hemlocktannen-Wälder, mit Picea brachytyla, P. spinulosa, Hemlock (Tsuga dumosa), Betula utilis und Larix griffithiana. Im Unterwuchs können Rosa macrophylla, Berberis praecipua, Salix daltonia, Pieris spp., Taxus baccata und eine Reihe seltenerer Arten enthalten sein. In der Krautschicht finden sich für gewöhnlich Bambusarten (z.B. Yushania microphylla) und eine Vielzahl an Kormophyten.

Die Bhutan-Tanne (Abies densa Griff.) dominiert die subalpine Klimazone von 3.300-3.800 m bis nahe an die Baumgrenze. Der oft großzügige Unterwuchs kann Rhododendron-Arten enthalten, aber auch Betula utilis, Skimmia laureola, Juniperus pseudosabina, Prunus rufa, Ribes takare, Rubus fragarioides, Sorbus foliolosa und Daphne bholua. Bambus ist auch hier noch häufig in der Krautschicht zu finden, neben Kräutern wie Primula denticulata und Rheum acuminatum oder dem Gras Arundinaria maling.

In der alpinen Zone bilden Rhododendron lepidotum und Juniperus (recurva, squamata) dichte Gebüsche, vorzugsweise auf windgeschützten Hängen zwischen 3.700-4.200 m. In ihrem Schutz wiederum können sich Morina nepalensis, Pedicularis megalantha, Phlomis tibetica, Potentilla arbuscula, Primula sikkimensis, Thalictrum chelidonii, Trollius pumilus und andere Kräuter entwickeln.

Alpine Matten dominieren die exponierteren, windseitigen Standorte und können bis in eine Höhe von 4.800 m reichen. Dieses vergleichsweise trockene Ökosystem beinhaltet z.B. Arten der Gattungen Cyananthus, Delphinium, Gentiana, Potentilla, Primula, Ranunculus, Rheum und Selinum, und Gräser der Gattungen Festuca, Stipa, Poa, Agrostis und Danthonia (Harris 2000).

Besondere Bedeutung für die globale genetische Vielfalt besitzen nicht nur Bhutans Wildpflanzen, sondern auch die Kulturpflanzen. So wurden z.B. bis dato 394 alten Reissorten innerhalb der Landesgrenzen ermittelt.


Die bhutanische Fauna

...ist alles andere als hinreichend bekannt.

Unter den Säugetieren sind inzwischen ca. 100 Arten identifiziert worden. Die folgenden Zuteilung ausgewählter bhutanischen Säugetiere zu drei Ökozonen innerhalb Bhutans entstammt dem Biodiversity Action Plan for Bhutan (2002):

Etwa drei Viertel dieser Arten sind ortsansässig. Viele migrieren zwischen höher gelegenen Brutgebieten und niedriger gelegenen Überwinterungsgebieten.

Verhältnismäßig gut erforscht ist die bhutanische Vogelwelt. Das Standardwerk von Inskipp & Inskipp nennt mehr als 620 registrierte Vogelarten. Ein prominenter Vertreter unter ihnen ist der Schwarzhals-Kranich (Grus nigricollis), der den Sommer in Tibet verbringt und von Oktober bis März in eng begrenzten Feuchtgebieten Zentral- und Ostbhutans überwintert.


Naturschutz in Bhutan

Das Konzept des Naturschutzes, d.h. des Schutzes der Natur vor dem Menschen, ist ein westliches und daher nicht ohne weiteres auf Bhutan übertragbar. Generell ist vielleicht anzumerken, dass im Buddhismus die Grenze zwischen Mensch und umgebender Natur nicht so scharf gezogen wird wie dies im Christentum als anthropozentrischer Religion der Fall ist. Die Bewohner Bhutans, insbesondere die ländliche Bevölkerung, steht mit der natürlichen Mitwelt tagtäglich in einem vielschichtigen, zugleich unmittelbaren und spirituellen Austausch.

Soweit ich es verstehe, trägt die karmische Lehre zu einem äußerst respektvollen Umgang des Menschen mit seinen Mitlebewesen bei. Wer würde schon gerne Gefahr laufen, aufgrund der unangemessenen Behandlung eines Tieres selbst als Tier wiedergeboren zu werden? Mitgefühl (compassion) gegenüber allen Lebewesen sowie das Tötungsverbot sind zentrale Elemente der buddhistischen Weltanschauung. Wen der Zusammenhang zwischen Buddhismus und Naturschutz näher interessiert, dem möchte ich das Büchlein Tree of life. Buddhism and Protection of Nature. (Hrsg.: S. Davies, 2. Auflage 1999, ISBN 962-7257-03-6) empfehlen. Dass der Naturschutz in Bhutan insbesondere kulturell bedingt ist, zeigt auch ein Artikel der Biologin Elizabeth Allison über die Biodiversität in Bhutan und seine Bedeutung innerhalb der bhutanischen Entwicklungsphilosophie des Bruttosozialglücks (Gross National Happiness).

In der landwirtschaftlichen Praxis, insbesondere dort, wo die Gefahr einer Nahrungskonkurrenz auftritt, ist das Zusammenspiel von Mensch und Tier selbstverständlich nicht immer harmonisch. Zudem ist die Nachfrage nach Holz sowohl als Energiequelle als auch für Bauzwecke traditionell groß. Mit einem Verbrauch von 1,2 Tonnen Brennholz pro Kopf und Jahr ist Bhutan vermutlich sogar Weltspitze. Nicht zuletzt angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums ist ein koordinierter nationaler Mitweltschutz unerlässlich.

Und hier hat das Land in der Tat Einiges aufzuweisen. Zunächst beeindruckt die Statistik, dass ein Viertel des Landes unter Naturschutz steht - dies ist absolute Spitze im asiatischen Vergleich. Von besonderer Bedeutung sind dabei die bhutanischen Wälder. Politisch ist eine langfristige Waldbedeckung von mindestens 60% der Landesfläche vorgesehen. Bereits seit 1979 sind alle forstlichen Aktivitäten staatlich gelenkt und kontrolliert; zudem wurde per königlichem Erlass ein "Social Forestry"-Programm ins Leben gerufen. Danach wird z.B. seit 1985 am 02. Juni jeden Jahres mit landesweiten Baumpflanzungen der "Social Forestry Day" begangen.

Zu den weiteren Aktivitäten Bhutans im Natur- und Umweltschutz zählen u.a.:

Angesichts dieser beeindruckenden Leistung, verlieh die UNEP im Jahr 2005 ihren Champions of the Earth Award für Asien und die Pazifikregion an König Jigme Singye Wangchuk (Amtszeit 1972-2006) und das bhutanische Volk in Anerkennung ihres Engagements, "die Umwelt in das Zentrum aller Entwicklungspolitik und -programme zu stellen".

Zitierte Literatur:

Links zur Vertiefung:

National Environment Commission (NEC) | Publications

Strategies and aims of the BTFEC (englisch, Autor: Tobgay S. Namgyal, Direktor des BTFEC)

Forest resources of Bhutan - Country Report (2000, FAO, englisch)
Environmentally sound forest infrastructure development and harvesting in Bhutan (1999, FAO, englisch)
Non-wood forest products of Bhutan (1996, FAO, englisch)

Übersicht über die Waldtypen Bhutans (BOKU, Wien)
The Conifer Forests of Lame Gompa Research Forest, Bumthang (pdf, 1.6 MB)

Informationen zum Schwarzhalskranich (Wikipedia, englisch)
Coldwater fish and fisheries in Bhutan (englisch, Autor: T. Petr)
Weitere Natur-Links

Bhutan: State of the Environment 2001 (UNEP, englisch)
Biodiversity Action Plan for Bhutan 2002 (englisch)
Trends of Forestry Policy Concerning Local Participation in Bhutan (IGES Japan, englisch)

WWF Bhutan
Critial Ecosystem Partnership Fund (CEPF), Projektgebiet "Eastern Himalayas"

The Early Buddhist Tradition and Ecological Ethics (Artikel von L. Schmithausen, englisch)
Getting to Grips With Buddhist Environmentalism: A Provisional Typology (Artikel von I. Harris, englisch)

 



Geschichte

Über die Frühgeschichte Bhutans, insbesondere über die vorbuddhistische Zeit, ist nur wenig bekannt. Eine megalithische Kultur wird nach Funden von großen, bearbeiteten Steinblöcken nicht ausgeschlossen (Aris 1979).


Ankunft und Entwicklung des Buddhismus in Bhutan

Einigermassen verlässliche Kenntnisse gibt es erst mit der Ankunft des Buddhismus in Bhutan. In buddhistischen Schriften aus dem 9. Jahrhundert findet die Errichtung von Tempeln im Bumthang- und Paro-Tal durch den tibetischen König Songtsen Gampo im 7. Jahrhundert Erwähnung.

Eine legendäre Figur ist der aus Nepal stammende Guru Rinpoche (padmasambhava). Er gilt als der Begründer des tibetischen Buddhismus in Bhutan. Im 9. Jahrhundert herrschte der indische König Sindhu in Zentral- und Westbhutan. Nach einer militärischen Niederlage gegen seinen Widersacher König Nabudara wandte er sich von den ihn beschützenden Gottheiten ab. Diese bestraften ihn der Legende nach mit einer unheilbaren Krankheit. Dem herbeigerufenen Guru Padmasambhava jedoch gelang die Heilung des Königs; er besiegte die lokalen Gottheiten und verwandelte sie in Schutzgottheiten des Buddhismus.

In den darauffolgenden Jahrhunderten wanderten jene Menschen von Tibet her auf das Territorium des heutigen Bhutan ein, die nun als die Vorfahren der ethnischen Gruppe der ngalong gelten. Darunter waren im Lauf der Zeit viele buddhistische Gelehrte, die religiösen Streitigkeiten oder mongolischen Invasionen nach Süden auswichen. Wen die ngalongs dabei anfänglich in Bhutan verdrängten, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Es können Angehörige der Bön-Religion oder auch die Vorfahren der khengs und sharchops gewesen sein, die heute im Osten und Süden des Landes beheimatet sind (siehe Abschnitt Bevölkerung).

Zu den bedeutenden Lehrern der nyingmapa Schule des tibetischen Buddhismus zählten z.B. Longchhen Rabjam Drimey Oezer (1308-1363) und Pema Lingpa (1450-1521), zu jenen der drukpa kagyu Schule Kuenga Sengye (1314-1347), Drukpa Kuenley (1455-1529) und Ngawang Chhoegyal (1465-1540).


Der Shabdrung Ngawang Namgyal und die Vereinigung des Landes

Keiner jedoch war so bedeutend wie der Shabdrung Ngawang Namgyal (1594-1651). Ursprünglich in Tibet geboren, floh er nach Streitigkeiten um seine Reinkarnation 1616 nach Bhutan, wo er entscheidend dazu beitrug, die drukpa kargyu Schule zu festigen. Trotz des Widerstands der anderen buddhistischen Schulen (lam kha nga, "the five lamas") in Bhutan und mehrerer tibetischer Invasionen (1617, 1634, 1639, 1644, 1648, 1649) gelang es ihm, durch die Schaffung einer stabilen Regierungsform (siehe Abschnitt Politik) die verschiedenen Lokalreiche zu einem einzigen theokratischen Reich zu einigen. Ein heute noch sichtbarer, beeindruckender Beleg für das Wirken des Shabdrungs sind die Klosterburgen (dzongs) des Landes.

Als der Shabdrung 1651 starb, wurde sein Tod 50 Jahre lang geheim gehalten, um politischen Instabilitäten vorzubeugen. Zwar überlebte danach das vom Shabdrung eingerichtete feudalistische System noch ca. 250 Jahre, oft herrschten jedoch bürgerkriegsähnliche Zustände beim Kampf um die Macht. Die Ankunft der Briten Ende des 18. Jahrhunderts sollte dies grundlegend ändern und ein neues Kapitel in der bhutanischen Geschichte einläuten.


Die Rolle der Briten und die Errichtung der Monarchie

Seitens der von den Briten betriebenen East India Company unter Warren Hastings gab es damals die Idee, durch Bhutan einen Handelsweg nach Tibet zu legen. Nach anfänglichen Spannungen und einer Invasion britischer Truppen in Teile Südbhutans, kam es 1774 während einer Mission von George Bogle zur Errichtung von Handelsbeziehungen zwischen Bhutan und Britisch-Indien. Bereits 1792 allerdings platzten die Träume einer Handelsroute bis Tibet; Nepal drang in Tibet ein, das daraufhin China um Hilfe bat. Die Chinesen konnten den nepalesischen Einmarsch erfolgreich zurückschlagen, waren allerdings sehr skeptisch gegenüber Tibets Nachbarn und schlossen alle nach Bhutan führenden Pässe.

Die bhutanisch-britischen Beziehungen blieben jedoch zunächst mehrere Jahrzehnte bestehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden zunehmend Spannungen um die Nutzungsrechte der südlich an das heutige Bhutan angrenzenden fruchtbaren Flutebenen, die "Duars" (Hindu für Tor, Ausgang). Nach unzähligen Überfällen auf Menschen und Material (vermutlich von beiden Seiten), kam es 1864/65 zum sogenannten Duar-Krieg zwischen Großbritannien und Bhutan. Dabei verlor Bhutan sämtliche Duar-Gebiete, wird jedoch bis heute von der indischen Regierung dafür mit einer jährlichen Summe entschädigt.

In der Folgezeit gelang es einem der für gewöhnlich 3 bhutanischen Regionalgouverneure (penlops), Ugyen Wangchuck aus dem zentralbhutanischen Trongsa, seine Kontrahenten auszuschalten und eine zentrale politische Position im Land zu erlangen. Er gewann auch die Sympathien der Briten für sich, indem er sie in dem erneuten Versuch, Handelsbeziehungen mit Tibet aufzubauen, unterstützte. Am 17.12.1907 wurde Ugyen Wangchuck im Punakha dzong mit britischer Hilfe als erster König Bhutans eingesetzt und die erbliche Monarchie im Lande etabliert.

Die Monarchie blieb zunächst nur schwach, und hatte gegen innenpolitische, aber auch außenpolitische Bedrohungen z.B. durch China (die schließlich 1912 aus Tibet vertrieben wurden), anzukämpfen. Kurz nachdem 1926 der zweite König, Jigme Wangchuck, ins Amt gekommen war, entwickelte sich auch der damalige religiöse Führer Bhutans (shabdrung) mit seinen Machtansprüchen als Gefahr für die Monarchie. Sein verdächtig früher Tod löste das Problem; Proteste aus Tibet wurden von den Briten zur Ruhe gebracht.

Nach dem Tode seines Vaters übernahm 1952 Jigme Dorji Wangchuck als dritter König Macht über ein Land, das noch weitgehend von der Außenwelt isoliert war. In einer Jesuitenschule in Darjeeling und einer Privatschule in England ausgebildet, machte er sich bald daran, die feudalen Strukturen zu verändern. Erste Schritte umfassten eine Landreform, die Einrichtung einer Nationalversammlung (tshogdu) (1953) und die Abschaffung der Sklaverei (1958).

Niemals sollte der Prozess der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung die bhutanische Identität gefährden, und so wandte sich Bhutan erst 1959, dem Jahr der Invasion Chinas in Tibet, hilfesuchend an Indien. Bei dem ersten, von Indien entworfenen und finanzierten Fünfjahresplan, lag der Schwerpunkt auf Strassen, Stromerzeugung und militärischem Training.

Als Jigme Dorji Wangchuck 1972 stirbt, hinterlässt er ein in der Landesgeschichte einmaliges Erbe an Demokratisierung und Entwicklung. Sein Sohn, Jigme Singye Wangchuck (*1955) übernimmt die Macht und führt die behutsame Öffnung des Landes fort. In seine Regierungszeit fielen die zunehmenden ethnischen Spannungen im Land (siehe Abschnitt Politik), die Einführung von Fernsehen und Internet (1999), eine kriegerische Auseinandersetzung mit indischen Separatisten (2003), ein landesweites Tabakverbot (2004) und die Einführung einer neuen Verfassung im März 2005. Entgegen Ankündigungen für eine Amtsübergabe im Jahr 2008, trat Jigme Singye Wangchuck am 15.12.2006 als bhutanischer König ab und übergab die Macht entsprechend der erblichen Thronfolge an seinen 26-jährigen Sohn Jigme Khesar Namgyel Wangchuck.


Der derzeitige König, Jigme Khesar Namgyel Wangchuck

Jigme Khesar Namgyel Wangchuck hat - wie bereits sein Vater - im Westen studiert, u.a. in Massachusetts und in Oxford. Schon die Frühphase seiner Amtszeit wird von wichtigen Ereignissen geprägt sein: dem 100-jährige Bestehen der bhutanischen Monarchie (2007) und den ersten demokratischen Wahlen im Drachenland (2008). Zeitgleich mit der Einführung der parlamentarischen Monarchie wird eine Regelung in Kraft treten, nach der der Throninhaber künftig spätestens im Alter von 65 Jahren die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger übergeben muss.

Links zur Vertiefung:

Archäologische Ausgrabungen in Bumthang, Zentralbhutan (englisch)
Bhutan. The Early History of a Himalayan Kingdom. Buch von M. Aris (Amazon)
Shabdrung Ngawang Namgyal bei Wikipedia (englisch)
Bhutan and the British. Buch von P. Collister & J.C. White (Amazon)

 


Die Bevölkerung

Zunächst ein Wort zur Einwohnerzahl Bhutans. Lange waren aufgrund der Unwegsamkeit des Terrains keine Zahlen bekannt, und auch noch vor 50 Jahren war man auf Schätzungen angewiesen. Traditionellerweise zählt man in Bhutan - wenn überhaupt - nur die Anzahl der Haushalte, nicht aber aller Menschen. Im Jahr 1960 "einigte" sich die Nationalversammlung Bhutans auf die Zahl von 700.000, die ab sofort als offizielle Zahl gegenüber ausländischen Besuchern genannt wurde. Als Bhutan sich 1970 in Beitrittsverhandlungen mit der UN befand, "empfahlen" sich bereits 1 Millionen Menschen, da dies die Mindest-Bevölkerungsstärke für den Beitritt war. Nicht zuletzt aus diesem Grund tauchen gerade in diversen Publikationen der UN-Organisationen Zahlen von heute 2 Millionen und sogar darüber auf (= 1 Millionen + 35 Jahre Bevölkerungswachstum).

Alles deutet jedoch darauf hin, dass die reale Einwohnerzahl Bhutans irgendwo zwischen 600.000 und 700.000 liegt. Derzeit läuft ein landesweiter Zensus, der sicherlich mehr Licht ins Dunkel bringen wird. Die bhutanische Regierung geht davon aus, dass sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2022 verdoppeln wird, sollte es bei dem gegenwärtigen Bevölkerungswachstum von 3,1% bleiben. In Verbindung mit einer Familienplanung, die die Anzahl der Kinder pro Familie von derzeit ca. 5 auf 2 senken soll, wird eine Bevölkerungsstärke von 932.000 Menschen im Jahr 2017 anvisiert (Bhutan 2020: A Vision for Peace, Prosperity and Happiness, pdf, 0.7 MB).

Wie setzt sich aber nun die Bevölkerung Bhutans zusammen? Historisch betrachtet ist Bhutan ein Einwanderungsland. Einwanderer unterschiedlicher Ethnien haben Bhutan zu verschiedenen Zeiten besiedelt. Bisher ist leider nur wenig zu diesem Aspekt geforscht worden, und so ist nicht bekannt, wer die ursprüngliche Ethnie Bhutans ist oder - war. Was man sagen kann, ist, dass heute 4 Volksgruppen 98% das ethnische Mosaik ausmachen. Dazu zählen die ngalongs, sharchops, khengs und die Nepalis. Die ersten 3 Gruppen werden immer öfter - insbesondere im Vergleich zu den Nepalis - zu einer Identitätsgruppe zusammengefasst, die drukpa genannt wird. Man sollte jedoch beachten, dass diese Identität sich in der Hauptsache auf den gemeinsamen Glauben bezieht (die Zugehörigkeit zur buddhistischen drukpa kargyud-Schule), nicht jedoch auf eine etwaige kulturelle oder ethnische Einheit.

Bei den ngalongs handelt es sich um einen Volksstamm tibetischen Ursprungs, der im 9./10. Jahrhundert auf das Gebiet des heutigen Westbhutan eingewandert ist und der drukpa kargyud-Schule des Mahajana-Buddhismus angehört. Ihre Sprache, auf der auch die Landessprache dzongkha beruht, ist im Prinzip ein tibetischer Dialekt. Die ngalongs bilden heute die politische und soziale Elite des Landes.

Ostbhutan wird überwiegend von den sharchops bewohnt, die ihre ethnischen Wurzeln in Arunachal Pradesh haben und vermutlich zu den frühesten Besiedlern des Landes zählen. Sie besitzen nach wie vor eine ausgeprägt eigenständige ethnische Identität und sprechen mit tsangla (sharchopkha) eine eigene Sprache.

Die Bewohner Zentralbhutans (Verwaltungsdistrikte Bumthang, Tongsa und Shemgang) werden khengs genannt und waren einst mächtige Herrscher in ihrem Gebiet. Wie die sharchops zählen sie zu den sehr frühen Bewohnern des Landes, und stellen vielleicht sogar die einheimische Bevölkerung dar. Nach ihrer Sprache zu urteilen, stammen sie nicht aus Tibet, sondern eher aus Arunachal Pradesh und/oder Megalaya (Indien). Sharchops und khengs wurden im 17. Jahrhundert von den ngalongs erobert und folgen heute alle der buddhistischen drukpa kargyud-Schule (siehe Abschnitt Geschichte).

Die Nepalis leben im Süden Bhutans und sind eine Gruppe von "neuen" Einwanderern aus dem späten 19. bis frühen 20. Jahrhundert. Auch diese Gruppe ist heterogen (nach Herkunft und/oder Kaste), jedoch durch eine gemeinsame Religion (Hinduismus) und die Nepali-Sprache in gewisser Weise geeint. Berichten aus der Zeit der britisch-bhutanischen Kriege zufolge, war der Süden Bhutans bis zum Duar-Krieg (1864) wegen des heißen Klimas, dschungelartiger Vegetation, Steilheit des Territoriums, Malaria aber auch angesichts häufiger Überfällen seitens der Bhutaner inklusive Massen-Versklavungen unwirtlich und kaum besiedelt. Das Gros der nepalesischen Einwanderung erfolgte - vermutlich mit britischer Unterstützung und bhutanischer Billigung - nach dem Duar-Krieg bis hinein in die frühen Jahre der bhutanischen Monarchie.

Wie die einzelnen Ethnien heute zahlenmäßig in Bhutan repräsentiert sind, darüber gibt es meines Wissens mehr Spekulationen als Fakten. Für einigermaßen realistisch halte ich die Daten von Dhakal & Strawn (1994), nach denen etwa je ein Viertel der Einwohner zu den ngalongs, Nepalis und sharshops gehört, ca. ein Achtel zu den Khengs und der Rest zu sonstigen Ethnien. Zu den kleineren Ethnien in Bhutan gehören beispielsweise die Adhivasi, Birmi, Brokpa, Doya, Lepcha, Tibeter und die Toktop. Sie bereichern das ethnische Mosaik erheblich, machen allerdings nur ca. 2% der Bevölkerung aus.

Offizielle Daten und Fakten zu durchschnittlicher Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Berufsgruppen etc. entnehmen Sie bitte dem Internet-Portal der bhutanischen Regierung.

 


Die Politik

Es ist eine vielzitierte Besonderheit Bhutans, dass es im Lauf seiner Geschichte niemals von einer anderen politischen Macht kolonisiert worden ist. Das lag und liegt zum einen an der strategischen Lage als "Puffer" zwischen den Supermächten China und Indien bzw. früher England, und zum anderen an der oft erprobten Wehrhaftigkeit des Landes. Bis heute ist die politische, kulturelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit ein wichtiges Staatsziel.


Die choesi

Die erste stabile Regierungsform Bhutans wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Shabdrung Ngawang Namgyal (1594-1651) eingeführt. In der sogenannten choesi gab es zum ersten Mal eine klare Gewaltentrennung. Unter dem Shabdrung als spirituellem Landesführer verteilte sich die Macht auf einen desi als den weltlichen Herrscher und einen je khenpo als religiöses Oberhaupt des Landes. Das in 3 Hauptbereiche - Dagana, Paro and Trongsa - unterteilte Land wurde von den neu errichteten Klosterburgen (dzongs) aus durch 3 mächtige Landesfürsten (penlops) regiert.

Dieses theokratische System überlebte zwar pro forma bis zur Einführung der Monarchie im Jahr 1907, war aber nach dem Tod des Shabdrung Ngawang Namgyal alles andere als stabil. Alleine 55 Personen hatten in dieser Zeit das Amt des desi inne, und viele von ihnen wurden beim Streit um die Macht vertrieben oder sogar ermordet.


Das monarchische Bhutan

Das Ende des dualen Systems war endgültig besiegelt, als 1907 der zu dieser Zeit mächtige Trongsa penlop, Ugyen Wangchuck, mit britischer Unterstützung zum ersten König Bhutans ernannt wurde. Er war bis zu seinem Tod 1926 König. Ihm folgte nach dem Prinzip der erblichen Monarchie sein Sohn, Jigme Wangchuck (Amtszeit 1926-1952), darauf Jigme Dorji Wangchuck (1952-1972), darauf Jigme Singye Wangchuck (1972-2006), und schließlich der jetzige König, Jigme Khesar Namgyel Wangchuck (seit Dezember 2006) (siehe auch Abschnitt Geschichte).

Die Einführung der Monarchie stieß zunächst nicht nur in Tibet auf Widerstand, sondern auch im religiösen Lager Bhutans. Im Lauf der Jahre gab es mehrere Wiedergeburten des Shabdrung, die ihre Beteiligung an der Macht forderten. Als sich im Jahr 1931 die 7. Reinkarnation des Shabdrungs, Jigme Dorji, hilfesuchend an Mahatma Gandhi wandte, wurde er von königstreuen Kräften ermordet. Die 1939 in Jangphu nahe Trashigang (Ostbhutan) geborene 8. Reinkarnation wurde nur 13 Jahre alt. Shabdrung Jigme Ngawang Namgyal kam 1955 als 9. Wiedergeburt ebenfalls in Ostbhutan auf die Welt. Mit 6 Jahren wurde er ins benachbarte Arunachal Pradesh in Sicherheit gebracht, um ihm das Schicksal seiner Vorgänger zu ersparen. Bis 2002 war es bhutanischen Pilgern möglich, ihn in Kalimpong südlich der bhutanischen Landesgrenze zu treffen. Er starb nach einem Leben im indischen Exil am 5. April 2003 in Vellore vermutlich an Kehlkopfkrebs. Eine neue Wiedergeburt ist bisher nicht erschienen.


Der Weg in Richtung Demokratie

Mit der Einführung der Nationalversammlung (tshogdu) im Jahr 1953 wird die Monarchie eine parlamentarische. Die 154 Mitglieder treffen sich einmal im Jahr für mehrere Wochen, um alle im Verlauf des vergangenen Jahres angefallen Themen von Wichtigkeit zu besprechen und die nötige Gesetzgebung zu vollziehen. Die Zusammensetzung der Versammlung ist wie folgt: 105 gups (lokal gewählte Volksvertreter aus dem ganzen Land), 37 vom König nominierte Mitglieder, und 12 Repräsentanten der buddhistischen Staatsreligion. Anfangs hatte der König die Möglichkeit, alle Beschlüsse der tshogdu per Veto zu blockieren; diese Regelung wurde 1969 aufgehoben und sogar festgesetzt, dass die Nationalversammlung den Monarchen mit einer Zweidrittel-Mehrheit absetzen kann.

Ebenfalls seit 1953 gibt es ein den König beratendes Gremium, das Royal Advisory Council. Es dient der direkten Kommunikation zwischen dem Monarchen und der Nationalversammlung. Es besteht aus einem Vertreter der Regierung (vom König bestimmt), 2 Repräsentanten des drukpa kargyud Klerus, 6 regionalen Repräsentanten und einem Vorsitzenden (vom König bestimmt), die allesamt für jeweils 5 Jahre im Amt sind.

1998 wurde die Exekutivmacht des Königs auf einen 10-köpfigen Ministerrat (lhengye shungtsog) übertragen. Die Minister werden von der Nationalversammlung für eine 5-jährige Amtsperiode gewählt. Angeführt wird der Ministerrat durch den Premierminister, der somit zugleich Regierungschef ist. Der Posten des Premiers wird in einem roulierenden System jedes Jahr zwischen jenen 5 Ministern gewechselt, die die höchstem Stimmenanzahlen bei den Ministerwahlen erhalten haben.

Im März 2005 wurde nach 4 Jahren Vorarbeit die neue Verfassung des Landes vorgestellt. Sie schränkt die Rechte des Königs weiter ein und sieht als zentrale Neuerung beispielsweise die Einführung eines 2-Parteien-Systems vor. 2007 wurden erstmals Wahlen für ein Oberhaus abgehalten und im März 2008 wurde erstmals ein Unterhaus gewählt. Dabei erhielten die Royalisten 44 der 47 vergebenen Parlamentssitze. Mit der Wahl ist die vom ehemaligen König Jigme Singye Wangchuck eingeleitete Demokratisierung abgeschlossen und Bhutan zu einer konstitutionellen Monarchie geworden.


Internationale und bilaterale Beziehungen

Wichtigster politischer Partner ist Indien. Bereits 1949 wurde mit dem gerade unabhängigen Subkontinent ein Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit geschlossen. Seit dem Überfall Chinas auf Tibet (1959) fungiert Indien zudem als Schutzmacht, und unter Premier Nehru wurde festgelegt, dass ein Angriff auf Bhutan einem Angriff auf Indien gleichkommt.

Mit der Öffnung des Landes in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts kam die multilaterale Diplomatie in Schwung und ermöglichte Bhutan den Zugang zu umfangreicher finanzieller Unterstützung zur Entwicklung des Landes. Heute gehört Bhutan mehr als 150 internationalen Organisationen an. Ein paar Beitrittsjahre im einzelnen: Colombo-Plan (1963); Universal Postal Union (1969); UN (1971); UNCTAD (1971); ESCAP (1972); UNDP (1973); NAM (1973); IFAD, IMF, IBRD, IDA und FAO (1981); WHO, UNESCO und ADB (1982); UNIDO (1983); ITU (1988); ICAO (1989) und ECOSOC (1992).

Interessanterweise ist Bhutan in der Vergangenheit sehr vorsichtig gewesen, diplomatische Beziehungen mit jenen Ländern aufzunehmen, die einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat haben - auch nicht mit dem großen Nachbarn China. Der diplomatische Schwerpunkt Bhutans liegt eher auf den Mitgliedsstaaten der South Asian Association for Regional Cooperation (SAARC) wie Indien, Bangladesch, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Geöffnet hat sich Bhutan des weiteren diversen Industrieländern und OECD-Mitgliedern wie der Schweiz (1985), den skandinavischen Ländern (1985/6), Kuwait und Japan (1986), Südkorea (1987), Österreich (1989), Thailand (1991), Bahrain (1992), Australien und Singapur (2002) und Kanada (2003).
Eigene diplomatische Vertretungen hat Bhutan in Neu-Delhi, Dhaka, Bangkok und Kuwait sowie bei den Vereinten Nationen in New York und Genf.


Deutsch-bhutanische Beziehungen

Zwischen Deutschland und Bhutan bestehen keine diplomatischen Beziehungen. Dies ist bemerkenswert, da dieser Status bei insgesamt 190 Ländern außer Bhutan nur noch Nordkorea zuteil wird. Partnerschaftliche Beziehungen unterhalb der Ebene diplomatischer Beziehungen werden von den Botschaften beider Länder in Neu-Delhi wahrgenommen. Bhutan unterhält jedoch honorarkonsularische Vertretungen in Bonn und Bietigheim-Bissingen.

Bisher haben nur wenige hochrangige deutsche Politiker Bhutan besucht, darunter Dr. Richard von Weizsäcker (CDU), Peter Michael Mombaur (CDU), Bernhard Rapkay (SPD) und Dr. Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen).

Erfolgreicher als im Bereich Politik lief es bisher auf wissenschaftlicher Ebene. Hier gab es dank der Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Zusammenarbeiten in den Bereichen Geologie (Dr. Djordje Grujic, Universität Freiburg), Botanik (Prof. Dr. Miehe, Universität Marburg) und Bodenkunde (die von Herrn Prof. Dr. Bäumler und mir durchgeführte Kollaboration zwischen dem Lehrstuhl für Bodenkunde der TU München und dem bhutanischen National Soil Services Centre).

Im Auftrag des Centrums für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) waren im Lauf der Zeit mehrere Fachkräfte im Land. Derzeit ist noch ein Arzt als Integrierte Fachkraft im Krankenhaus Punakha tätig.

Auf der Ebene der technischen Zusammenarbeit war das Projekt der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) das wohl prominenteste und bedeutsamste. Eine eigene Seite widmet sich daher dieser Kooperation und den erarbeiteten Inhalten.


Links zur Vertiefung:

Die bhutanische Außenpolitik - Auswärtiges Amt
Die bhutanische Innenpolitik - Auswärtiges Amt
Die bhutanische Kultur- und Bildungspolitik - Auswärtiges Amt
Bilaterale Beziehungen zwischen Bhutan und Deutschland - Auswärtiges Amt

German Grant for Bhutanese Refugees - Artikel in Kantipur Online vom 02.09.2005

Überblick zur Außenwirtschaftspolitik (Autor: Wolfgang-Peter Zingel)

Rede von H.E. Lyonpo Yeshey Zimba (Bhutan. Regierungschef) vor dem Millennium Summit der UN am 08.09.2000 (englisch)

Bhutan wagt seine allerersten Wahlen (taz, 01.01.2008)

 

 

 

Wirtschaft und Entwicklung

Die Landesentwicklung Bhutans erfolgt seit 1961 anhand von Fünfjahresplänen. Grundlegendes Konzept für die Entwicklung ist dabei inzwischen die durchdachte und wohlformulierte Vision vom Bruttosozialglück, in der die wirtschaftliche Entwicklung und Unabhängigkeit eine der vier tragenden Säulen darstellt.

Der Begriff der Entwicklung umfasst im bhutanischen Kulturverständnis seit jeher neben der äußeren, materiellen Dimension auch die innere, geistige d.h. spirituelle Dimension. Wie bereits im Abschnitt Naturschutz erwähnt, ist die Zugehörigkeit des Menschen zu allen anderen Lebensformen essentieller Bestandteil der buddhistischen Werte. Und die bhutanische Regierung ist sich bewusst, dass ein Grossteil der industriellen Produktion auf der Ausbeutung der Natur beruht. Angestrebt wird daher eine Entwicklungsstrategie, die den negativen Begleiterscheinungen der Modernisierung entgegenwirkt. Oder in unseren "westlichen" Worten formuliert: es geht um eine ganzheitliche, nachhaltige Entwicklung des Landes.

Dies vorab zum Verständnis für alle Erbsenzähler, die hier eine Aufzählung von Daten und Statistiken erwarten, um das Land auf diese Weise "bewerten" zu können. Ich möchte zunächst einen groben Überblick über die bhutanische Wirtschaft geben, danach ein paar möglichst aktuelle Zahlen nennen und zum Schluss auf die Ziele der bhutanischen Wirtschaftspolitik eingehen.

Grundpfeiler der bhutanischen Wirtschaft ist die Land- und Forstwirtschaft sowie die Viehzucht. In diesem Sektor der sogenannten Renewable Natural Resources (RNR) sind nach wie vor 85% der Bevölkerung tätig. Die Erträge machen derzeit etwas mehr als ein Drittel des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus; die meisten bäuerlichen Haushalte sind dabei autark und produzieren vorwiegend für den Eigenbedarf.

Der industrielle Sektor, in dem lediglich ca. 2% der Bevölkerung arbeiten, ist bisher nur sehr schwach ausgeprägt. Schwerpunkte der Produktion sind Zement, Holzwaren, alkoholische Getränke und Kalziumkarbid. Nennenswertes produzierendes Gewerbe gibt es in der Hauptstadt Thimphu, im zentralbhutanischen Bumthang, in Trashigang (der "Hauptstadt des Ostens"), die größten Zentren liegen jedoch im Süden nahe der Landesgrenze mit Indien.

Der Dienstleistungssektor wird durch Leistungen dominiert, die im Zusammenhang mit dem Tourismus erbracht werden. Der Tourismus ist die drittwichtigste Devisen-Quelle des Landes.

Haupthandelspartner ist das benachbarte Indien. Im Jahr 1949 schlossen die beiden Staaten einen Freundschaftsvertrag und ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit. 70% der Exporte sowie 90% der Importe wurden z.B. im Zeitraum 1998/99 mit dem südlichen Nachbarn getätigt. Zweitwichtigster Handelspartner ist Bangladesh. Einzelne Produkte - wie z.B. der berühmte rote Reis - werden bis nach Europa exportiert.

Hauptexportgüter sind landwirtschaftliche "cash crops" (Äpfel, Orangen, Kartoffeln, Kardamom), Rohstoffe (Kalziumkarbid, Zement), vor allem aber Elektrizität aus Wasserkraft. Bhutan exportiert pro Jahr 1,5 Mrd. Kilowattstunden Strom nach Indien - bei einem jährlichen Eigenverbrauch von 275 Mio. Kilowattstunden. Praktisch die gesamte Elektrizität Bhutans wird aus Wasserkraft erzeugt. Einige der größten Wasserkraftwerke sind: Chhukha (336 MW), Tala (1.020 MW), Kurichhu (45 MW) und das im Bau befindliche Basochhu (60,8 MW). Das Gesamt-Wasserkraftpotenzial beträgt geschätzte 20.000 MW. Die Einkünfte aus der Stromerzeugung machten 1999 ca. 2 Mrd. Ngultrum und damit ungefähr 40% der Staatseinnahmen aus.

Natürlich entwickelt sich auch in zunehmendem Maße der Import, und seit 1995 wachsen die Importe schneller als die Exporte. Die importierten Güter lassen sich in 4 Gruppen gliedern: nichthaltbare Konsumgüter (z.B. Lebensmittel, 3 Mrd. Nu/Jahr 1998), haltbare Konsumgüter & Produktionsmittel (2,5 Mrd. Nu/Jahr), Maschinen (1.7 Mrd. Nu/Jahr) und Transportmittel (300 Mio. Nu/Jahr).

Weitere ökonomische Kenngrößen in Stichpunkten: 

Ziel der bhutanischen Wirtschaftspolitik ist die wirtschaftliche Selbständigkeit, d.h. konkret die Unabhängigkeit von der bisher massiv geleisteten Auslandshilfe. Vorsichtige Annahmen rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von ca. 4,5% und einem Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens von derzeit ca. 5.500 Nu auf 11.800 Nu bis zum Jahr 2017.

Ziel ist weiterhin, die Förderung einer regional ausgeglichenen Entwicklung. Alle Landesteile sollen möglichst die gleichen Dienstleistungen und dieselbe Infrastruktur erhalten. Ganz konkret ist man im Moment dabei, neue Ballungszentren in Bhutan zu planen, die helfen sollen, die Landflucht in die Hauptstadt Thimphu abzumildern und die Bevölkerung auf dem Land zu halten.

Der privatwirtschaftliche Sektors soll als Wachstumsmotor fungieren und wird von der bhutanischen Regierung indirekt durch makroökonomische Stabilität und die Liberalisierung des Finanzsystems, aber auch direkt durch entsprechende staatliche Förderung, Kreditprogramme und Infrastruktur-Maßnahmen gepusht. Die Resonanz ist bisher aber wohl eher enttäuschend.
Des weiteren werden die 13 traditionellen Handwerkskünste gezielt gefördert.

Einige der anvisierten Milestones der kommenden Fünfjahrespläne in Zahlen:

Bis 2012 (Ende des 10. Fünfjahresplans):

Bis 2017 (Ende des 11. Fünfjahresplans):

Viele ökonomische Maßnahmen sind offenbar nur auf mittlere oder lange Sicht sinnvoll. Abgesehen davon, dass eine rasante wirtschaftliche Entwicklung nicht dem Prinzip des middle path entsprechen würde, gibt es eine ganze Reihe von Hemmnissen. Immer wieder genannt werden

Eine Herausforderung der besonderen Art ist sicherlich der Verkehr. Denn die Anzahl der Kfz wächst kontinuierlich: fuhren 1997 noch 11.000 Fahrzeuge auf Bhutans Strassen, waren es im Jahr 2000 bereits 20.000.
Eine Eisenbahn existiert derzeit nicht; allerdings gibt es Planungen, den Süden des Landes von Indien her (Westbengalen, Assam) mit einer Trasse zu versorgen.
Die nationale Fluglinie Druk Air, mit 2 Flugzeugen die kleinste Fluglinie der Welt, hat nur einen Flughafen im Land zur Verfügung, der zudem recht klein ist und sich weit im Westen des Landes befindet. Pläne für einen Großflughafen im zentralbhutanischen Khotokha-Tal sind wieder auf Eis gelegt worden.

Links zur Vertiefung:

Wirtschaftsdaten Bhutan (Homepage von Wolfgang-Peter Zingel, SAI Uni-Heidelberg)
National Accounts Statistics 1980-1999 (englisch, pdf, 0.2 MB)

World Bank Report 2004 Bhutan (pdf, 4.8 MB)
Government scales down 2004-2005 budget (pdf, 0.1 MB, englisch)
Die Hauptexporteure Bhutans und ihre Produkte im Überblick (pdf-Datei, 0.3 MB)
The industrial town of Pasakha (pdf, 0.2 MB, englisch)
The Monetisation of Bhutan
(Artikel von Nicholas Rhodes, pdf, englisch)

Landwirtschafts-Statistik 2003 (englisch, pdf, 1.4 MB)
BioBhutan - Vermarktung ökologisch erzeugter Lebensmittel

Bhutans Fünfjahrespläne

 



Tourismus

Der erste "richtige" Tourist hat 1974 das Land besucht. In den darauffolgenden Jahren ist die Anzahl der Landesbesucher stetig gestiegen und erreichte im Jahr 2000 mit 7.559 Menschen ihren bisherigen Höhepunkt. Von Januar-September 2004 (pdf, 0.2 MB) wurden 5.357 Touristen registriert. Von Januar bis März 2007 waren es 3.706 Touristen, veglichen mit 2.362 im selben Zeitraum des Vorjahres.

Wenn Sie zu der wachsenden Anzahl von Menschen gehören, die Bhutan besuchen möchten, so kann Sie die folgende Zusammenstellung bei Ihrer Informationssuche vielleicht unterstützen. In jedem Fall lohnt es sich, zunächst die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes (pdf, 16 KB) durchzulesen. Hier finden Sie auch Angaben zum benötigten Impfschutz.


Reisezeit

Bedingt durch den Sommermonsun, sind Frühjahr (März bis Mai) und Herbst (September bis November) die idealen Reisezeiten. Das Frühjahr hat seinen besonderen Reiz durch die Rhododendronblüte, im Herbst ist dagegen die Chance größer, einer der berühmten tsechus (Fest mit Maskentänzen zu Ehren des Guru Rinpoche) beizuwohnen.


Anreise

Die Anreise erfolgt ausschließlich per Flugzeug. Der bhutanische Flughafen in Paro ist eher klein, so dass ein Direktflug nicht möglich ist. Man fliegt i.d.R. bis Kathmandu (Nepal), Bangkok (Thailand) oder Neu-Delhi (Indien), von wo aus es dann mit den Maschinen der bhutanischen Druk Air weitergeht.
Aus eigener Erfahrung empfehle ich die Anreise via Kathmandu, denn der Flug entlang der Himalaja-Hauptkette (Mt. Everest!) ist bei gutem Wetter ein unvergessliches Erlebnis.


Kosten

Für viele der springende Punkt. Bhutan reguliert den Tourismus über die Preise und verlangt derzeit eine "Grundgebühr" von unverhandelbaren 200 US-$ pro Tag in der Hauptsaison. Dies klingt zunächst sehr viel, man sollte jedoch bedenken, dass - einmal abgesehen vom Flug - darüber hinaus kaum Kosten anfallen. In der Gebühr eingeschlossen sind Unterkunft, alle Mahlzeiten, Transport, alle Dienstleistungen der Führer und evtl. Träger, sowie der Besuch von kulturellen Veranstaltungen wie z.B. der tsechus.


Visum

Ein Visum sowie ein gültiger Reisepass sind zur Einreise unbedingt erforderlich. Das Visum muss bereits zum Zeitpunkt der Einreise vorliegen, sonst lehnt die bhutanische Fluggesellschaft die Beförderung ins Land ab. In der Regel kümmert sich der Reiseveranstalter um die Ausstellung des Visums. Alternativ kann man sich an die Ständige Vertretung Bhutans in der Schweiz wenden.
Das Visum wird für eine 15-tägige Geltungsdauer ausgestellt und kostet derzeit 20 US-$.


Reiseveranstalter

Besucher des Landes müssen ihre Reise über einen der ca. 120 registrierten Reiseveranstalter buchen. Reisen "auf eigene Faust" ist in Bhutan nicht gestattet. In Deutschland gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Veranstaltern, die in Zusammenarbeit mit bhutanischen Veranstaltern Gruppenreisen anbieten. Ich möchte hier nur einige wenige exemplarisch (in alphabetischer Reihenfolge) auflisten:

Auf und davon-Reisen, 51647 Gummersbach
Hauser Exkursionen, 81241 München
Himalaya Fair Trekking, 82049 Pullach (Isartal)
Ikarus Tours, 61452 Königstein
Marco Polo Reisen, 80992 München
Sagarmatha Trekking (Peter Schneider), 55771 Baumholder
Tao Tours, 82308 Starnberg
World Insight, 53113 Bonn

Wer etwas individueller, z.B. nur zu zweit oder in einer kleinen Gruppe unterwegs sein möchte, kann sich auch noch umsehen bei:

Bhutan4u Himatrek, 45886 Gelsenkirchen
Comtour, 45219 Essen-Kettwig
East Asia Tours, 10439 Berlin
German Travel Network, 91126 Schwabach
Jeroma Tours

Zu guter letzt besteht noch die Möglichkeit, die Anreise selbst zu organisieren und die Tour direkt mit einem bhutanischen Veranstalter zu planen. Die "Association of Bhutanese Tour Operators (ABTO)" mit einer Liste aller bhutanischen Anbieter findet sich hier.

Auch für alle weiteren Fragen ist das bhutanische Department of Tourism eine gute Adresse.


 


Literatur

Im folgenden habe ich nur eine kleine Auswahl an Literatur zu Bhutan gelistet, die mir gut gefallen bzw. weitergeholfen hat. Wer sich noch intensiver mit Land & Leuten beschäftigen möchte, für den habe ich die umfassende Nationalbibliographie Bhutans des Centre for Bhutan Studies (CBS) zum Download eingestellt.


Reiseführer

  • DuMont Kunstreiseführer Bhutan. Autorin: Gisela Bonn; letzte Auflage 1988; ISBN: 3-7701-1641-0. (manchmal noch über eBay zu bekommen)
  • Bhutan. Kultur und Religion im Land der Drachenkönige. Autor: Manfred Gerner; Verlag Indoculture; letzte Auflage 1981; ISBN 3-921948-05-3. 

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