Tiefenökologie


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Einführung

Die Tiefenökologie ist ein naturphilosophischer Ansatz, der den Menschen als Teil der Erde bzw. der Ökosysteme sieht, und nicht als außenstehendes Objekt. Der Mensch ist dabei auch nicht der Mittelpunkt der Natur, so dass anstelle des Begriffs der "Umwelt" jener der "Mitwelt" tritt.

Leitgedanke ist die Vereinigung von Denken, Gefühl, Spiritualität und Handeln. Der Mensch soll sich insbesondere seiner Rolle als "Bewahrer" oder "Zerstörer" seiner eigenen Welt bzw. Lebensgrundlage bewusst werden. Man möchte weg von oberflächlichen Antworten (bezüglich ökologischer und sozialer Probleme), hin zu "tieferen" Fragen nach möglichen Veränderungen menschlicher Lebensart.

Grundideen der Tiefenökologie-Bewegung sind die Systemtheorie und die Gaia-Hypothese. Als Begründer der Bewegung gilt der norwegische Philosoph Arne Naess, der den Begriff "Deep Ecology" Anfang der 1970er-Jahre verwendete.

Die von ihm entworfenen Schlüsselaussagen der Tiefenökologie lauten:

  1. Das Wohlbefinden und Gedeihen menschlichen und nichtmenschlichen Lebens auf der Erde hat Wert in sich (Synonyme: intrinsischer oder inhärenter Wert). Dieser Wert ist unabhängig von der Nützlichkeit der nicht-menschlichen Welt für menschliche Zwecke.
     
  2. Reichtum und Vielfalt von Lebensformen tragen zur Realisierung dieses Wertes bei und stellen ebenfalls Werte in sich selbst dar.
     
  3. Menschen haben kein Recht, diesen Reichtum und diese Vielfalt zu beeinträchtigen, außer um lebensnotwendige Bedürfnisse zu befriedigen.
     
  4. Das Gedeihen menschlichen Lebens und menschlicher Kulturen verträgt sich mit einem substantiellen Bevölkerungsrückgang. Das Gedeihen nicht-menschlichen Lebens bedarf sogar eines solchen Rückganges.
     
  5. Die gegenwärtigen menschlichen Eingriffe in die nicht-menschliche Welt sind unangemessen, und die Situation verschlechtert sich ständig.
     
  6. Die Politik muss deshalb geändert werden. Diese Veränderung betrifft grundlegende ökonomische, technologische und ideologische Strukturen. Der aus ihr resultierende Zustand der Dinge wird entscheidend anders sein als der gegenwärtige.
     
  7. Die ideologische Veränderung liegt hauptsächlich darin, Lebensqualität (im Sinne des Verweilens in Zuständen, die inhärenten Wert besitzen) anzuerkennen, anstatt an einem immer weiter wachsenden Lebensstandard festzuhalten. Es wird eine tiefe Sensibilität gegenüber dem Unterschied zwischen Quantität und Qualität geben.
     
  8. Diejenigen, die die vorangehenden Punkte unterschreiben, haben die Verpflichtung, sich um die dazu notwendigen Veränderungen direkt oder indirekt zu bemühen.


 


Tiefenökologische Links

Gesellschaft für Angewandte Tiefenökologie, München
Foundation for Deep Ecology, Sausalito, Kanada

Tiefenökologie (Webpage von Damiano Nöthen)
Introduction To Deep Ecology (Interview mit Michael E. Zimmerman, englisch)
What is Deep Ecology? (Artikel von Stephen Harding, englisch)

Texte von bekannten Tiefenökologen
Zitate und Kurztexte zur Deep Ecology (englisch)
Tiefenökologie (Buch, herausgegeben von Franz-Theo Gottwald & Andrea Klepsch)
Was die Erde will (Buch von Jochen Kirchhoffs)

Joanna Macy